"Wir haben genug Biomasse - " so der Vorsitzende des Österr. Biomasseverbandes Heinz Kopetz

Österreichische Flächenressourcen zur Bioenergieproduktion: Nutzung entscheidet über Potenzial
 

Österreich hat zweifellos ehrgeizige Pläne, wenn es um den Ausbau der Erneuerbaren Energien und im Speziellen um die Forcierung der Biomassenutzung – als Löwenanteil des erneuerbaren Energiekuchens – geht. Es darf aber auch kein Zweifel aufkommen, dass wir diese Zielsetzungen zum überwiegenden Teil aus heimischer Produktion decken wollen – und das können wir“, betont Heinz Kopetz, Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes, anlässlich der gestern von der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien präsentierte Untersuchung zu den Biomasse-Ressourcenpotenzialen in Österreich. „Entscheidend ist nicht nur, welche Flächenreserven mobilisierbar sind, sondern vor allem, wie wir diese Flächenressourcen nutzen. Denn die Energieausbeute und damit die CO2-Einsparung pro Hektar variiert bei den verschiedenen Energiekulturen extrem.“ Nur Flächen erheben ist zu wenig.

 

Die vorgestellte Studie erhebt in drei verschiedenen Szenarien rein die landwirtschaftliche Nutzfläche, die zusätzlich – zu den bereits derzeit energetisch genutzten rund 50.000 Hektar – zur Energieproduktion herangezogen werden kann, ohne darauf einzugehen, was darauf angebaut wird. Die geschätzte Bandbreite liegt hier für das Jahr 2020 zwischen 201.000 ha bis 456.000 ha. Diese Zahlen sind plausibel und decken sich auch mit den Berechnungen des Österreichischen Biomasse-Verbandes. Um die Extreme bei den unterschiedlichen Energieerträgen je Hektar aufzuzeigen:

  • Würden die gesamten 456.000 ha rein mit Raps bepflanzt und zur Produktion von Biodiesel herangezogen werden, könnten damit etwa 21 Petajoule (PJ) Energie erzeugt werden.   
  • Bei ausschließlichem Anbau von Mais, aus dem via Ganzpflanzenverbrennung Wärme gewonnen wird, entstünden rund 119 PJ Energie – das ist fast sechsmal so viel.

„Die vorgelegte Potenzialabschätzung ist für uns insofern äußerst wertvoll, weil sie fundiert nachweist, dass die Fläche der limitierende Faktor für die österreichische Bioenergienutzung ist und wir daher sehr genau überlegen müssen, wie wir mit unseren Flächenressourcen umgehen. Es müssen vorrangig optimierte Nutzungskonzepte mit hohen Hektarenergieerträgen forciert werden“, so Kopetz.Schwerpunkt auf fester Biomasse zur WärmeproduktionDie Produktion von flüssigen Biokraftstoffen ist zweifellos ein sinnvolles Konzept – vor allem weil die Technologie erprobt und die heimische Produktion voll im Gang ist. Außerdem sind sowohl Biodiesel als auch Bioethanol problemlos in den Markt eingeführt worden, die Beimischung zu fossilen Kraftstoffen ist sicher die perfekte Lösung für eine rasche Anhebung des Biotreibstoffanteils. Und es wird ebenfalls ein wichtiger Schritt zur Erhöhung der Versorgungssicherheit geleistet.„Langfristig muss allerdings auch die Rohstofferzeugung für Wärme und Strom ein Schwerpunkt bleiben. Sowohl die Raiffeisen-Untersuchung als auch der vom Lebensministerium erstellte Entwurf für einen nationalen Biomasseaktionsplan setzen zu stark auf die Biotreibstoffschiene. Wärme aus Biomasse war bisher und wird auch in Zukunft der mengenmäßige wichtigste Absatzmarkt für Bioenergie bleiben“, erläutert der Vorsitzende. Deswegen müsse bei der energetischen Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen neben der Rohstoffproduktion für flüssige Biokraftstoffe auch entsprechendes Augenmerk auf der Produktion fester Biomasse wie Kurzumtriebswälder, Miscanthus, Energiegräsern etc. liegen. „Dann werden wir in der Lage sein, den Großteil unseres Biomasserohstoffbedarfs im Inland zu decken. Gewisse Importe aus Zentraleuropa, speziell für die Treibstoffproduktion, werden aber immer notwendig bleiben und sind auch sinnvoll, weil diese Länder über große Flächenpotenziale in Relation zur Einwohnerzahl verfügen.

„Tullner Erklärung“ des Biomasse-Verbandes legt realistische Zahlen vor

Im November 2006 hat der Österreichische Biomasse-Verband sein Leitbild für die Bioenergieentwicklung bis 2020 vorgelegt. Die „Tullner Erklärung“ schätzt eine mögliche Steigerung des energetischen Biomasseeinsatzes von derzeit 157 PJ (2004) auf 280 PJ (2020). Dazu werden etwa 400.000 ha zusätzliche landwirtschaftliche Nutzfläche zur Energieproduktion gebraucht. Zusammen mit den anderen Erneuerbaren Energien könnte so ein Beitrag von 500 PJ zur österreichischen Energieversorgung geleistet werden. Unter der Voraussetzung, dass sich der Energieverbrauch um 20 % senkt, ergibt das dann den im Regierungsprogramm verankerten Anteil von 45 % Erneuerbaren im Jahr 2020. „Dieses Szenario liegt somit im Rahmen der Raiffeisen-Studie und entspricht ebenfalls dem Biomasseaktionsplan-Entwurf. Der Unterschied ist, dass wir in unserer Rechnung aus weniger Fläche mehr Energie machen.“ Und Kopetz hält fest: „Österreich kann bis 2020 45 % seines Energiebedarfs aus Erneuerbaren erzeugen und über die Hälfte davon aus Biomasse decken.“ 30. Mai 2007, Wien/Österr. Biomasseverband

 

Letzte Änderung amMontag, 23 Juli 2007 17:08

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