Agrotreibstoffe lösen Verkehrsproblematik nicht

Umweltorganisation kritisiert Scheinlösung der tatsächlichen Situation.
Die fünfprozentige Agrosprit-Beimischung zu Benzin, die heute in Österreich in Kraft tritt, ist nur eine Scheinloesung des tatsächlichen Verkehrsproblems. Zu diesem Schluss kommt die Umweltorganisation GLOBAL 2000 http://www.global2000.at. Biomasse im Tank schütze nicht das Klima, sondern stelle lediglich eine kosmetische Maßnahme dar. Die Temporeduzierung um 20 km/h auf Autobahnen würde mehr Beitrag zum Klimaschutz sein, als die Beimischung von Agrotreibstoffen zum fossilen Brennstoff.

"Das Problem ist äußerst komplex", meint die Energie- und Klimareferentin Silva Herrmann von GLOBAL 2000 im pressetext-Gespräch. Man müsse zunächst verschiedene Punkte voneinander trennen: "Zwei Drittel der Kfz-Flotte in Österreich besteht aus Dieselfahrzeugen. Als Beimischung kommt hier Rapsöl in Frage", so Herrmann. In Österreich gebe es allerdings nicht genügend Raps aus heimischer Produktion, der für die gesamte Dieselflotte zur Verfügung stehe. Dazu müsse man auf Importe zurückgreifen. "Gerade beim Rapsanbau kommt vermehrt Gentechnik zum Einsatz", kritisiert die Expertin. Zudem sei die Klimabilanz von Raps nicht positiv.

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Mais als Biosprit-Lieferant
Bei den Benzinmotoren kommen hingegen stärke- und zuckerhaltige Pflanzen wie etwa Mais oder Getreide zum Einsatz, die zu Herstellung von Biosprit verwendet werden. "Viele dieser Pflanzen werden als Nahrungspflanzen angebaut. Um die 5,75-Prozent-Beimengung abzudecken, befürchten wir eine noch stärkere Intensivierung der Landwirtschaft", so Herrmann. Eine logische Folge davon sei ein vermehrter Pestizid- und Düngemitteleinsatz. "Angekündigt wird in diesem Zusammenhang auch ein Ende der Förderung so genannter Stilllegungsflächen." Eine noch intensivere Landwirtschaft wirkt sich negativ auf die Biodiversität aus. "Pro gefahrenem Kilometer spart eine fünfprozentige Äthanol-Beimengung nur ein Prozent der Treibhausgase ein", erklärt Herrmann. Das sei für eine wirksame Reduktion der Treibhausgase deutlich zu wenig.

"Eine verkehrspolitische Energiewende ist unumgänglich. Eine fünfprozentige Agrosprit-Beimischung ist hingegen nur eine Scheinlösung, da den Autofahrern vorgegaukelt wird, dass unsere Art der Mobilität dadurch klimafreundlich ist und Klimaschutz an der Zapfsäule stattfindet", meint Heinz Högelsberger, Verkehrsreferent von GLOBAL 2000. Die Äthanol-Herstellung steht derzeit im Brennpunkt internationaler Diskussionen, da die Pflanzen auch als Nahrungsmittel dienen. Experten haben beispielsweise vorgerechnet, dass die Mais-Menge, die für die Produktion einer einzigen Tankfüllung Äthanol benötigt wird, ausreicht, um einen Erwachsenen ein Jahr lang satt zu machen. Da mitteleuropäische Autofahrer besser bezahlen als etwa mexikanische Landarbeiter, ist der Preis für Mais binnen eines Jahres um 50 Prozent gestiegen. "Der Kampf um Landzugang und um Nahrung hat sich deutlich verschärft", attestiert auch Herrmann.

Dass die Umweltorganisation keineswegs ein Gegner der Biomasse-Nutzung ist, will Herrmann deutlich betonen. "Biomasse ist unverzichtbar. Sie ist allerdings in der gekoppelten Wärme- und Stromerzeugung bis zu drei Mal effizienter und kann wesentlich kostengünstiger eingesetzt werden als bei der Erzeugung der derzeit genutzten Agro-Treibstoffe. Biomasse ist eine knappe Ressource und sollte daher möglichst wirksam für den Klimaschutz eingesetzt werden." Dass es dennoch Vorzeigeprojekte geschlossener Kreisläufe gibt, in denen Biomasse als Treibstoffe eingesetzt werden, leugnet Herrmann nicht. Dazu gehöre etwa das Grazer Modell, Altspeiseöl aus der Gastronomie für die Betankung der Busflotte zu verwenden. "Wir brauchen dennoch dringend eine Verkehrswende. Das ist die Kernaussage. Die Agrarsprit-Beimischung ändert nämlich am Problem nichts." Die Hälfte der vom Umweltbundesamt berechneten Einsparungen an Treibhausgasen durch eine fünfprozentige Agrarsprit-Beimischung werde allein durch den Mehrverbrauch der 200.000 SUVs und Geländeautos in Österreich wettgemacht. "Intensiver Energiepflanzenanbau ist definitiv der falsche Weg", erklärt die Expertin abschließend gegenüber pressetext.

Quelle: Pressetext Austria

 

Letzte Änderung amMontag, 01 Oktober 2007 10:42

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