Ökolandbau macht "Teller und Tank" möglich

Regenerative Treibstoffproduktion unter Nachhaltigkeitskriterien.

Trenthorst (pte/27.06.2008/06:05) - Forscher des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI-Institut) http://www.vti.bund.de haben gezeigt, dass im Ökolandbau Treibstoff-Autarkie ohne Flächenverbrauch funktioniert. Die Forscher um Gerold Rahmann, Leiter des Instituts für Ökologischen Landbau, konnten eine Anbaukonzeption entwickeln, bei der auf dem Feld neben der Hauptkultur "für den Teller" eine zusätzliche Kultur eingesät wird, die Treibstoff "für den Tank" produziert. Umweltschützer und Experten haben in der jüngsten Vergangenheit Agrotreibstoffe für den Anstieg der Lebensmittelpreise verantwortlich gemacht.

Image
Mischfruchtanbau von Weizen und Leindotter (F: vTI/OEL)
Agrotreibstoffe und Lebensmittelherstellung müssen sich allerdings nicht notwendigerweise ausschließen, erläutert Gerold Rahmann. "Wir haben eine solche Anbaukonzeption entwickelt", so der Forscher. Dabei setze man auf einen Doppelanbau. "Diese Zweitkultur ersetzt einen Teil der natürlichen Begleitflora, die man umgangssprachlich Unkraut nennt, und nutzt deren Nährstoffe." Stehen verschiedene Pflanzen gemeinsam auf einem Feld, können sie sich - geschickt gemischt - wunderbar ergänzen. "Wenn eine Pflanze schwach oder krank ist, bleibt die Ernte der anderen Pflanze noch gesichert. Will eine Pflanze sich bei Hagel senken, wird sie vom Partner gestützt. Eine solche natürliche Stabilisierung ist gerade im Ökolandbau außerordentlich erwünscht", erklärt der Wissenschaftler.

Die Forscher des Instituts für Ökolandbau arbeiten seit einigen Jahren daran, sich diese Effekte zu Nutze zu machen. Ein Beispiel ist etwa die im Ökolandbau nur schwer zu kultivierenden Ölpflanzen wieder in die Anbaupläne zu integrieren und das Pflanzenöl als eigenen, klimaneutralen Treibstoff für die hofeigenen Landmaschinen zu nutzen. Untersucht haben die Forscher zum Beispiel Mischungen aus Raps mit Getreide, Senf mit Erbsen, Färberdistel mit Lupine oder Lein mit Weizen.

Die alte Kulturpflanze Leindotter (Camelina sativa), die noch vor 50 Jahren verbreitet angebaut wurde, hat sich als guter Mischungspartner für Erbsen, Lupinen und Weizen gezeigt. Es war im Mischfruchtanbau zum Beispiel möglich, nahezu den vollen Erbsenertrag von drei Tonnen pro Hektar zu erzielen und zusätzlich 250 Liter Leindotteröl zu erzeugen. Weniger konkurrenzstark ist der Leindotter im Sommerweizen, doch auch hier konnten 150 Liter Leindotteröl pro Hektar zusätzlich zur Sommerweizenernte gewonnen werden. Um einen Hektar zu beackern benötigt man 80 bis 150 Liter Pflanzenöl als Treibstoff für die Landmaschinen. Dieser Bedarf wird durch die Ernten mehr als gedeckt. Werden weitere Fruchtfolgeglieder mit Ölpflanzen im Mischfruchtanbau angereichert, kann ein Öko-Betrieb genug Pflanzenöl erzeugen, um seine Flächen zu bewirtschaften. Zudem hat das Pflanzenöl als Co-Produkt der Nahrungsmittelproduktion eine enorm günstige Ökobilanz.

Da allerdings die verschiedenen Pflanzenöle auch verschiedene Qualitäten aufweisen - und diese bis dato nur bei Rapsöl gut dokumentiert sind - arbeiten die Forscher mit dem Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren der Universität Rostock zusammen. Zurzeit führt das Institut daher gemeinsam ein Forschungsprojekt durch, in dem Leindotteröl aus Kaltpressung in Mischungen mit anderen kaltgepressten Pflanzenölen in Versuchsmotoren und in einem Praxisschlepper neuester Bauart als Treibstoff erprobt wird.

Quelle: Pressetext Austria

 

Letzte Änderung amSamstag, 28 Juni 2008 11:10

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Nach oben

Bio Newsletter

captcha

Mitgliedschaft & Werbung

Folge uns

Netzwerk