Shiatsu

Shiatsu (jap. shi = Finger, atsu = Druck) ist eine in Japan entwickelte Form der Körpertherapie, die aus der traditionellen chinesischen Massage (Tuina) hervorgegangen ist. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in Japan verschiedene Formen der energetischen Körperarbeit und manuellen Behandlungsmethoden kombiniert und unter dem Namen Shiatsu vereint, um sich von den reinen Entspannungsmassagen abzugrenzen. Wörtlich übersetzt bedeutet Shiatsu Fingerdruck, die Behandlung umfasst jedoch weit mehr: Zur Berührung wird der ganze Körper eingesetzt.


Die Behandlung wird im direkten Hautkontakt oder am bekleideten Körper ausgeführt und kann in der Regel  jederzeit und überall, liegend, sitzend oder stehend praktiziert werden. In der Behandlung wird mit Daumen, Händen, Ellbogen und Knien in fliessenden Bewegungen sanfter Druck auf die Meridiane ausgeübt. Dabei arbeitet der Behandelnde weniger mit Muskelkraft als mit seinem Körpergewicht und versucht, während der Behandlung eine energetische Beziehung zum Klienten herzustellen (Energie hier im Sinne von Qi). Je nach Indikation werden weitere Techniken angewendet: Rotation der Gelenke, rollen, dehnen, kneten und vibrieren bestimmter Körperstellen. Damit werden Blockaden gelöst, schwache Stellen angeregt, die natürlichen Selbstheilungskräfte stimuliert, der Energiehaushalt harmonisiert und die körperlich-seelische Ausgeglichenheit gefördert. Jede  Behandlung bedingt vorgängig eine energetische Analyse, die laufend fortgesetzt und in die Anwendung integriert wird. Wichtig dabei ist ein ruhiges und entspanntes Arbeiten, vom Behandelnden ist Achtsamkeit, Sensibilität und Offenheit gefragt.

 

1997 hat die EU-Kommission Shiatsu als eine von insgesamt acht Methoden der Komplementär-Medizin anerkannt. In Österreich ist die Ausübung entsprechend ausgebildeten und geprüften Shiatsu-Praktikern vorbehalten. Weitere Informationen dazu finden Sie im Punkt Shiatsu-Ausbildung.Grundlagen von Shiatsu

Shiatsu basiert auf den Vorstellungen der Traditionelle Fernöstlichen Medizin, insbesondere dem in der TCM entwickelten Meridiansystem (System von Energieleitbahnen) und dem System der Fünf Wandlungsphasen (Fünf Elemente). Im Unterschied zu Akupunktur und Akupressur werden im Shiatsu nicht nur einzelne Punkte am Körper stimuliert sondern entlang der verbindenden Meridiane behandelt. Allerdings gibt es auch die Möglichkeit, Shiatsu meridianfrei auszuüben. Der Behandler lässt sich weniger ausschließlich von den energetischen Linien der Meridiane leiten, sondern die eigene Achtsamkeit und Wahrnehmung, die aktuelle Befindlichkeit des Klienten sowie dessen körperlicher Ausdruck in seine Behandlung wird einbezogen. Grundlage von Shiatsu ist die fernöstliche energetische Diagnostik, deren Ziel es ist, mit Hilfe von Meridian-, Hara-, Rücken-, Zungen-, Gesichts-, Pulsdiagnostik etc. und dem Gesamterscheinungsbild des Klienten ein bestehendes energetisches Muster zu erkennen. Außerdem umfasst Shiatsu auch eine Vielzahl an Mobilisierungsübungen für den Körper.

Das Ziel von Shiatsu ist es, durch die Berührung des Körpers das physische, emotionale und geistige Wohlbefinden zu fördern und Möglichkeiten der Entfaltung und Entwicklung aufzuzeigen. Durch den Ausgleich und die Wiederbelebung des vitalen Potentials, die Aufrechterhaltung und Stärkung der Körper-Seele-Geist-Einheit wird der Energiefluss harmonisiert. Dadurch wird Krankheiten prophylaktisch entgegengewirkt und die Selbstheilungskräfte des menschlichen Organismus werden aktiviert.

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Shiatsu-Ausbildung

Der Österreichischer Dachverband für Shiatsu erteilt allen Absolventen einer vom Dachverband anerkannten Schule ein Abschlussdiplom, durch welches eine qualifizierte Ausbildung und ein hohes praktisches Niveau bestätigt werden und die gewerbliche Ausübung ermöglicht wird. Das Diplom berechtigt zur Führung des Titels Qualified Practitioner und zur Verwendung des geschützten Logos des Dachverbandes. Die Abschlüsse der einzelnen Schulen werden durch das Diplom auf die gleiche ("rechtliche") Basis gestellt.

Das Dachverbands-Diplom bildet – im Rahmen der neuen, beruflich-rechtlichen Situation für Shiatsu – die Grundlage für die Gewerbeanmeldung für Massage eingeschränkt auf Shiatsu, und ist somit die Voraussetzung zur gewerblichen Ausübung von Shiatsu in Österreich. Ebenso wird das Diplom von den Dachverbänden der Schweiz und Deutschlands anerkannt. An einer gesamteuropäischen Anerkennung wird im Rahmen der Tätigkeit der ESF (European Shiatsu Federation) gearbeitet.

Viele Kranken-Zusatzversicherungen berufen sich bereits auf das Dachverbands-Diplom und übernehmen die Kosten für Shiatsu-Behandlungen.

Der Dachverband besteht seit 1993 und setzt sich aus VertreterInnen der autorisierten Ausbildungsinstitute, aus PraktikervertreterInnen und SchülervertreterInnen zusammen.

Bedeutende Vertreter von Shiatsu

Die zwei bedeutendsten Vertreter in der Geschichte des Shiatsu sind Tokujiro Namikoshi und Shizuto Masunaga. Namikoshi war der Gründer der ersten Shiatsuschule in Japan. Sein Vermächtnis war unter anderem die staatliche Anerkennung von Shiatsu als eigenständige Behandlungsmethode in Japan. Masunaga war einer von Namikoshis begabtesten Schülern. Er begründete seinen eigenen Stil (Zen Shiatsu) und durch ihn fand Shiatsu auch im Westen Anerkennung.

Masunaga erweiterte, im Rahmen seines eigenen Stils, das klassische Meridiansystem und entwickelte seine eigenen Theorien zur energetischen Struktur des menschlichen Körpers. Im Gegensatz zur Akupunktur spielen im Zen Shiatsu die einzelnen Punkte keine sehr große Rolle, es wird der gesamte Meridian behandelt. Masunaga studierte an der Universität von Kyoto Psychologie, was in seine Arbeit einfloss, und lernte bzw. lehrte Shiatsu am Nippon Shiatsu Institut. Er entwickelte auch ein komplexes Diagnose-System am Bauch und Rücken sowie spezielle Meridian-Dehnungsübungen (Makko Ho). Sein Buch Zen Shiatsu wurde 1977 veröffentlicht, seine Lehre von zahlreichen Schülern auch in den Westen weitergetragen. Shizuto Masunaga starb 1981.

Akinobu Kishi war der erste Schüler von Masunaga. Kishi entwickelte Zen-Shiatsu weiter über Shinto-Shiatsu bis hin zu seiner eigenen Behandlungsmethode Seiki.

Ein anderer Schüler Masunagas ist Wataru Ohashi, bekannt geworden mit der Übersetzung des Buches Zen Shiatsu und durch einige eigene Bücher. Ohashi hat Ohashiatsu aufgebaut, auf seine Ohashi-Institute gehen viele Shiatsuschulen (auch in Europa) zurück.

Shiatsu im Westen vs. in Japan

Heutzutage wird im asiatischen Raum fast ausschließlich das sehr am Körper orientierte Shiatsu nach Namikoshi praktiziert und gelehrt, wohingegen im Westen der energetischere Masunaga-Stil bevorzugt wird.

Die wichtigsten Vertreter von Shiatsu leben heute zum größten Teil außerhalb von Japan. Dies ist einer der Gründe weshalb die Weiterentwicklung von Shiatsu zur Zeit hauptsächlich im Westen erfolgt und nicht in seinem Ursprungsland Japan bzw. China.

Typischer Ablauf einer Shiatsu-Sitzung

Shiatsu wird meistens auf einer Matte oder einem speziellen Futon auf dem Boden praktiziert. Behandelt wird mit den Händen (Finger und Handballen), aber auch mit den Ellbogen und Knien. Neben sanften, rhythmischen werden auch tiefer wirkende Techniken sowie Dehnungen und Rotationen eingesetzt. Der Praktiker nutzt dabei sein eigenes Körpergewicht und arbeitet vor allem aus der Körpermitte (japanisch: Hara, chinesisch: Tan Tien) heraus.

Im ursprünglichen, von Namikoshi begründeten Shiatsu wird der Klient ohne Bekleidung behandelt, Masunaga hingegen zog die Behandlung mit leichter Bekleidung vor. Da im Westen größtenteils der Masunaga-Stil vertreten ist, wird hier auch zumeist mit Bekleidung gearbeitet. Beide Behandlungsarten  ob mit oder ohne Bekleidung haben sowohl Vor- als auch Nachteile.

An Shiatsu angelehnte Methoden

Ohashiatsu ist eine Art meditativer Tanz, der von dem Japaner Ohashi nach Grundlagen des Shiatsu entwickelt wurde. Er soll die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen, das allgemeine Wohlbefinden steigern und bei der seelischen, körperlichen und geistigen Entwicklung, sowohl des Behandelten als auch des Behandlers hilfreich sein.

ShinTai ist eine von Saul Goodman begründete Form die sich aus dem Shiatsu entwickelt hat.

Seiki (übersetzt: geordnete Seele) ist eine intuitive Energiebehandlung. Die Einheit Seele, Geist und Körper wird gesucht. Mit Gyoki, Katsugen und Reinigungsübungen (Hara-Atemübungen) bietet es etwas für den Alltag eines jeden. Akinobu Kishi Sensei: Es reicht eine Sekunde, dann ist alles verändert.

WaterShiatsu (Watsu) ist eine an Shiatsu angelehnte Technik, die neben Wellness auch zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wird. Die Behandlung wird im Wasser ausgeführt wobei die Auftriebskräfte und die Wärme (ca. 35° Celsius) zu einer tiefen Entspannung beitragen sollen.

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