Medien berichten: Monsanto gibt Europa auf! Glaubt ihr das wirklich?

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Monsanto hat keinen einzigen seiner laufenden Zulassungsanträge für Gentech-Pflanzen zurückgezogen. Monsanto geht vermeintlich vorne raus und kommt hinten wieder rein. Es steht nur nicht mehr Monsanto drauf, sondern US-Regierung.

Monsanto gibt Europa als Markt für Gentech-Pflanzen auf – diese Nachricht geistert seit ein paar Tagen durch die deutschen Zeitungen und die sozialen Netzwerke. Die taz brachte sie zuerst, dann folgten Spiegel Online, die Süddeutsche und die FAZ. Twitter und Facebook wirkten als Schallverstärker. Selbst Monsanto dazu: "Das stimmt so nicht", aber diese Info geht in den Medienberichten irgendwie unter ...

Was war geschehen? Ein paar vage Aussagen von Monsanto-Mitarbeitern und dazu eingeholte Kommentare euphorisierter Aktivisten reichten aus - schon war Monsanto medial besiegt und die gentechnikkritische Bewegung hatte gewonnen.

Die Realität sieht anders aus: Monsanto hat keinen einzigen seiner laufenden Zulassungsanträge für Gentech-Pflanzen zurückgezogen. Elf Pflanzen warten auf eine Anbauzulassung für die Äcker der EU, darunter der Mais MON810, der zur Wiederzulassung ansteht. Für 46 Pflanzen liegt ein Antrag auf Import in die EU und zur Verwendung als Lebens- und Futtermittel vor.

Für die Anträge Nr. 12 (Anbau) und Nr. 47 (Import) kann sich Monsanto ganz auf die US-Regierung verlassen. Sie wird sich bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU-Kommission, die am 18. Juni ihr Mandat erhält, für die Belange des Unternehmens einsetzen. „Beseitigung von nichttarifären Handelshemmnissen“ und die „gegenseitige Anerkennung von Standards“ lauten die Zauberformeln, über die Monsanto und Co erleichterten Zugang zu den EU-Märkten bekommen wollen. Konkret bedeutet das: Die USA werden darauf dringen, die Kennzeichnungsregeln für Gentech-Produkte auszuhebeln. Sie werden außerdem auf einer automatischen Zulassung von Gentech-Pflanzen bestehen, die im jeweils anderen Wirtschaftsraum für sicher befunden worden sind. Auch das würde den Gentech-Unternehmen nützen, da die US-Verfahren um Längen schneller abgeschlossen werden als die der EU.

Fazit: Monsanto geht vermeintlich vorne raus und kommt hinten wieder rein. Es steht nur nicht mehr Monsanto drauf, sondern US-Regierung.

Kommentar von Heike Moldenhauer, Leiterin Gentechnikpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

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"Das stimmt so nicht“ - Monsanto widerspricht Berichten

„Aktuell überschlagen sich die Medien mit der Nachricht, dass Monsanto die Vermarktung von gentechnisch verbessertem Saatgut in Deutschland und Europa eingestellt haben soll. Das stimmt so nicht.“ So äußert sich der US-Agrarkonzern zu jüngsten Berichten über einen „Rückzug“ aus Europa. Man konzentriere sich zwar auf das Geschäft mit konventionellem Saatgut und Pestiziden. Dort, wo es eine „breite Unterstützung auf landwirtschaftlicher und politischer Ebene für die Technologie“ gebe, werde man aber weiterhin transgene Pflanzen verkaufen. Aus Sicht Monsantos ist das aktuell in Spanien und Portugal der Fall.

In Spanien wachsen auf circa einem Viertel der Maisflächen gentechnisch veränderte Pflanzen. Auch in Portugal gibt es einige Gentech-Felder. In der übrigen EU spielt transgener Mais zurzeit aber keine Rolle. Mehrere Staaten, darunter Deutschland, haben ein Anbauverbot gegen MON810 erlassen. Das ist zurzeit der einzige Biotech-Mais, der in der Union zugelassen ist. Monsanto gehört allerdings ein bedeutender Teil des kommerziellen Saatguts. Auch mit Herbiziden verdient der Konzern bestens.

Nach Äußerungen eines Monsanto-Sprechers gegenüber dänischen und deutschen Journalisten hatten zahlreiche Medien und Blogs das vermeintliche „Aus“ des Konzerns in Europa verkündet. Die Gentechnik-Expertin des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Heike Moldenhauer, kommentierte die Vorgänge hingegen sehr skeptisch: „Monsanto hat keinen einzigen seiner laufenden Zulassungsanträge für Gentech-Pflanzen zurückgezogen. Elf Pflanzen warten auf eine Anbauzulassung für die Äcker der EU, darunter der Mais MON810, der zur Wiederzulassung ansteht.“ Und in den anstehenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen EU und USA werde Washington darauf drängen, den europäischen Markt für Gentechnik-Produkte weiter zu öffnen.

Annemarie Volling, Gentechnik-Expertin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, forderte die Bundesregierung auf, bei anstehenden Zulassungen „mit einem klaren Nein zu stimmen.“ Sie verwies auch auf Futtermittel für Tiere, die in Europa häufig Gentech-Soja aus Südamerika enthalten: „Derzeit landen Monsantos gv-Pflanzen hauptsächlich in den Futtertrögen – und auch daraus müssen wir sie verbannen.“

Quelle & weitere Infos:
www.keine-gentechnik.de

 

Letzte Änderung amDonnerstag, 06 Juni 2013 09:27

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