"Chinesische Medizin ist nicht in 140 Stunden erlernbar"

Experte kritisiert unqualifizierte Akupunkturstudien, die in profil-Artikel herangezogen wurden.

Wien (pte/28.11.2007/06:05) - Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist genauso umfangreich wie die Schulmedizin und kann nicht in 140 Stunden gelernt werden. Vielmehr erfordert die Ausbildung seit über 2.000 Jahren ein mehrjähriges Universitätsstudium. Zu diesem Schluss kommt der Rektor der TCM-Privatuniversität http://www.tcm-university.edu, Andreas Bayer, gegenüber pressetext. Bayer repliziert damit auf einen kürzlich erschienenen Artikel im Nachrichtenmagazin profil, in dem der Wiener Pharmakologe Michael Freissmuth über den Wert des Placeboeffekts und Medizin als Pseudoreligion referiert.

"Akupunktur ist eine Technik, keine medizinische Behandlung. Sie wird in der TCM als Teil eines Gesamttherapiekonzeptes verwendet und nur extrem selten als Einzeltherapie", so Bayer. Akupunktur stehe am Ende einer exakten Diagnose. Zum Erlernen derselben benötige man mehrere Jahre Studium an einer Universität. "Freissmuth hat recht, wenn er sagt, der theoretische Überbau soll die willkürliche Anwendung der Akupunktur durch Laien verhindern." Auch in China würde niemand ohne ein Universitätsstudium die Akupunktur anwenden. "Bei uns jedoch arbeiten Ärzte mit Akupunktur, die kaum mehr als 100 Stunden Ausbildung hinter sich haben", kritisiert Bayer. Derzeit gebe es in Österreich und Deutschland nur knapp über hundert akademisch ausgebildete Therapeuten mit einem abgeschlossenem Universitätsstudium. "Keiner von ihnen hat nachweislich an den im profil erwähnten Studien teilgenommen", erklärt der Mediziner.

Image"Mit der Mehrzahl der bei uns durchgeführten Studien, beweisen die Schulmediziner nur, dass sie die chinesische Diagnose und die Akupunktur als Technik nicht beherrschen", erklärt Bayer. Am Wiener AKH sehe die "wissenschaftliche" Akupunktur wie folgt aus: "Fünf Mal eine 90-minütige Vorlesung Akupunkturtherapie. Danach werden fünf bis acht Studenten in der 'Akupunkturambulanz des AKH' eingeteilt. Ihnen wird von einem Assistenzarzt eine an der Wand angebrachte Tafel mit den Punkten gezeigt. Anschließend erhalten sie eine Liste mit den Punkten, die bei den verschiedenen Störungen zu 'stechen' sind", erklärt Bayer. "Dann werden die Patienten hereingelassen und die Studenten arbeiten ohne ärztliche Aufsicht alleine an den Patienten." In der TCM-Privatuniversität laufe das allerdings anders ab, betont Bayer. "Erst nach erfolgreichem Abschluss von drei Semestern TCM-Studium dürfen die Studenten das erste Mal unter direkter Aufsicht nadeln. Erst nach fünf Semestern Studium dürfen sie eigenständig, unter ständiger Supervision, Therapiekonzepte erstellen." Die Grundausbildung zum "Bachelor in Acupuncture" dauere sechs Semester mit mehr als 65 Semesterstunden in 850 Lehreinheiten

"Die in Deutschland durchgeführte Gerac-Studie zeigt zwar, dass ungelernte Akupunktur kaum wirksamer ist als Placebo oder willkürliches Stechen." Die Studienanalyse ergebe jedoch auch, dass die Wirksamkeit der physikalischen Medizin - trotz mehrjähriger Ausbildung der physikalischen Ärzte und Physiotherapeuten - die Placebowirkung um über 50 Prozent reduziere. "Die Schmerzfreiheit der Patienten war nach dem Behandlungsende nur noch bei 24 Prozent gegeben und hier ist es fraglich, ob die Schmerzfreiheit zustande kam, weil oder obwohl sie mit Schulmedizin behandelt wurde." Die Gerac-Studie habe keine Aussagekraft über die Wirksamkeit der Akupunktur, sie spiegle vielmehr den Status-quo der Akupunkturausbildung in Deutschland wider.

Internationale Studien in China, den USA und in Australien zeigen, dass die Akupunktur bei funktionellen Beschwerden deutlich wirksamer sei als die Schulmedizin. "Die großen Unterschiede in den Resultaten der Akupunkturstudien haben kaum etwas mit dem Studiendesign, sondern sehr viel mit der Qualifikation der Therapeuten zu tun, die die Akupunktur dann anwenden." Man könne nicht die Wirksamkeit eines therapeutischen Systems durch ein anderes beweisen oder widerlegen. "Es wäre genauso falsch, einem TCM-Arzt 140 Stunden Ausbildung in einer schulmedizinischen Technik zu geben und diesen dann beweisen zu lassen, dass die schulmedizinische Methode nicht wirkt", argumentiert Bayer. Es stelle sich nämlich die Frage, ob die TCM bewusst schlecht gemacht werden soll, um sie dann durch die Schulmedizin zu retten. "Es gibt ein neues Projekt an der Medizinischen Universität Wien in den nächsten zwei Jahren eine eigene Fachausbildung in chinesischer Medizin anzubieten, um die TCM wieder unter schulmedizinische Kontrolle zu bringen", so Bayer abschließend gegenüber pressetext.

Quelle: Pressetext Austria

 

Letzte Änderung amMittwoch, 28 November 2007 08:26

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Nach oben

Bio Newsletter

captcha

Mitgliedschaft & Werbung

Folge uns

Netzwerk