Bienensterben auf der Wiener Staatsoper

Bienensterben auf der Wiener Staatsoper

Während publikumswirksam am Dach der Wiener Staatsoper ein Bienenstock aufgestellt wird, müssen Jahr für Jahr Millionen Bienen sterben – weil Umweltminister Berlakovics sich nicht zu einem Verbot des Agrargiftes Chlothianidin durchringen kann, das in Italien und Deutschland bereits seit 2008 verboten ist.

Am 25. Mai 2010 wurde am Dach der Wiener Staatsoper ein Bienenstock aufgestellt. "Bienen sind die Baumeister der Vielfalt. Sie übernehmen 80 Prozent der Bestäubung unserer Kultur- und Wildpflanzen. Mit diesem Projekt wollen wir Bewusstsein für die fleißigen, aber auch gefährdeten Insekten schaffen", betont Umweltminister Berlakovich in einer Pressekonferenz. Doch dieses Bewusstsein für die Bedeutung der Biene fehlt dem Minister offenbar völlig, wenn es um ein Verbot für ein Agrargift geht. Denn wenige Wochen zuvor starben Millionen Bienen in Österreich durch das Agrargift Chlothianidin.

Chlothianidin ist ein Beizmittel, mit dem das Maiskorn ummantelt wird, bevor es ausgesät wird. Mit dem Beizmittel sollen bedeutsame Maisschädlinge wie der Maiswurzelbohrer oder der Drahtwurm bekämpft werden. Über die Wurzel werden kleine Mengen des Gifts in die Pflanzen aufgenommen und schützen so die Pflanze. Vor vielen Jahren galt Beizen im Vergleich zum Besprühen von Pflanzen mit Schädlingsbekämpfungsmitteln als umweltverträglichere Form der Insektenbekämpfung. Doch die Industrie erfindet immer mehr Beizmittel, die extrem giftig sind. Chlothianidin ist eines der giftigsten Agrargifte, die je erfunden wurden. Es genügen drei Nanogramm, um eine Biene zu töten. Diese Menge entspricht einer Dosis von fünf Tropfen in einem 80 Kubikmeter großen Schwimmbecken. Die Bienen sterben, weil bei der Maisaussaat geringe Mengen des Gifts in Form von Abrieb bei der Aussaat in die Luft gelangen und sich auf andere Pflanzen und Wasserpfützen niederlassen. Sie sterben, weil der Mais im Frühjahr winzige Tropfen ausschwitzt, die dieses Gift enthalten und Bienen in trockenen Jahren gerne davon trinken. Und Bienenlarven sterben, wenn sie mit zuviel Maispollen gefüttert werden, weil auch diese das Gift enthalten. Und die Bienen leiden, weil die Pflanzenvielfalt am Acker immer mehr schwindet. Denn Maismonokulturen mit importiertem Gentech-Soja werden für die heimische Intensiv-Schweinemast benötigt.

Neben den Hausbienen, die durch die ImkerInnen eine Stimme erhalten, sterben jedoch unbemerkt von der Öffentlichkeit auch Millionen von Wildbienen.

Seit 2008 ist Chlothianidin in Deutschland zum Schutz der gefährdeten Bienen verboten. In Österreich geht das Bienensterben aber weiter. Im Jahr 2008 betonten die Fachabteilungen in der AGES (Agentur für Ernährungssicherheit), dass die Zusammenhänge des österreichischen Bienensterbens mit dem Beizmittel erst in einer Studie geklärt werden müssen, bevor es verboten werden könne. In Deutschland genügten dazu Laborergebnisse aus dem Jahr 2008. In besagter österreichischen Studie wurde im Jahr 2009 in allen 500 bis 600 Bienenstöcken mit Bienenvergiftungen Chlothianidin nachgewiesen. Verbot gab es trotzdem keines. Stattdessen setzte die AGES bei der Aussaat im Frühjahr 2010 auf Geräte, die die Staubabdrift vermindern sollten. Ende April 2010 gab es trotz vieler Niederschläge, die die Giftstäube von den Blumen gewaschen hatten, wieder 500 bis 600 Bienenvölker, die durch Stäube aus der Maisaussaat vergiftet wurden. Ein Verbot gab es wieder nicht, stattdessen wurde ein Bienenstock auf das Operndach gestellt, um auf die Gefährdung der Biene hinzuweisen. Das ist Politshow und Zynismus pur.

Artenvielfalt statt Agrochemie am Acker Der Maisschädling Maiswurzelbohrer ist nur dort anzutreffen, wo eintönige Mais-Monokulturen das Landschaftsbild beherrschen. Würde auf mehr Artenvielfalt am Acker gesetzt, wie in der Biolandwirtschaft üblich, so wären die Schädlinge kein Problem. Auch gegen den Drahtwurm, der in schlecht geplanten Fruchtfolgen auftritt, wussten die alten LandwirtInnen ein probates Mittel – den Hafer. Aber auch Lupinien, Ackerbohnen und Erbsen, Senf und Weißkraut in der Fruchtfolge dämmen den Schädling ein. Gerade diese Pflanzen würden den Bienen und Wildbienen die dringend benötigte Artenvielfalt bringen. Gemeinsam mit dem Österreichischen Imkerbund hatte GLOBAL 2000 Anfang Mai 2010 ein Verbot des Mittels Chlothianidin eingefordert – bisher hat sich der Minister nicht beeindrucken lassen. Denn die Schweine- und Chemielobby fürchtet er mehr als das Bienensterben. Da ist es doch besser einen Bienenstock aufs Operndach zu stellen und sich von der Presse bejubeln zu lassen. The show must go on – traurig, aber wahr.

Quelle:
GLOBAL 2000

Letzte Änderung amSamstag, 03 Juli 2010 10:14

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