Finger weg von sandgestrahlten Jeans

Finger weg von sandgestrahlten Jeans
Tausende ArbeiterInnen leiden durch diesen Modetrend an der unheilbaren Lungenkrankheit Silikose.

Wien/Istanbul, 29.11.2010. AktivistInnen der Clean Clothes Kampagne riefen am Wochenende bei einer Solidaritätskundgebung in der Türkei zu einem weltweiten Boykott von Jeans auf, denen durch die so genannte Sandstrahltechnik ein abgenutzter Look verliehen wird.
Das Geschäft mit den modischen Sandstrahl-Jeans ist für Markenfirmen wie Tommy Hilfiger und Co. ein profitables Geschäft – die Kosten für das Sandstrahlen in der Türkei sind extrem gering, der Umsatz, der mit solchen Hosen gemacht wird, hingegen hoch. Den ArbeiterInnen allerdings können diese todschicken Jeans das Leben oder zumindest die Gesundheit kosten. Mit Schläuchen richten sie quarzhältigen Sand mit Hochdruck auf bestimmte Stellen des Stoffes. Dabei gelangen Unmengen von Sandstaub in die Luft und - ohne ausreichende Schutzkleidung, wie es vielerorts üblich ist - in die Lungen. Dort verursacht er schnell und mit hoher Wahrscheinlichkeit die unheilbare und oft zum Tod führende Krankheit Silikose (Staublunge).

Das türkische Solidaritätskomitee für SandstrahlerInnen schätzt, dass alleine in der Türkei 4000-5000 ArbeiterInnen von der Krankheit betroffen sind; 46 ArbeiterInnen kostete der Modetrend bereits das Leben. Adulhalim Demir, ein Aktivist dieses Komitees befürchtet, dass die Dunkelziffer sogar deutlich höher liegen dürfte.

Er arbeitete selbst nur ein Jahr lang als Sandstrahler für Leke Jeans, einem Zulieferbetrieb von Tommy Hilfiger und erkrankte rasch an Silikose: „Bereits 46 Prozent meiner Lunge sind zerstört. Ich kann keine körperlich belastende Arbeit mehr machen. Ich kann nicht laufen. Ich bekomme schwer Luft und kann nicht gut sprechen.“ Adulhalim Demir ist arbeitsunfähig, aber er setzt sich nun für seine KollegInnen ein. Allein in seinem ehemaligen Betrieb seien 144 von 157 ArbeiterInnen an Silikose erkrankt, für sie will er Entschädigungen erkämpfen.

„Wir wollen, dass die schuldigen Markenfirmen Verantwortung für die erkrankten Sandstrahlerinnen und Sandstrahler übernehmen und ihnen eine angemessene medizinische Versorgung sichern, sowie Entschädigungen zahlen“, betont Demir. Ende September 2010 gelang es erstmals einem an Silikose erkrankten ehemaligen Sandstrahler diese Forderung auch vor Gericht durchzusetzen.

Aufgrund des enormen Gesundheitsrisikos hat die Türkei das Sandstrahlen von Jeans im März 2009 gesetzlich verboten. Auch in der Bekleidungsbranche gibt es erste positive Signale. Levi-Strauss sowie Hennes & Mauritz (H&M) gaben vor kurzem bekannt, auf den Verkauf sandgestrahlter Jeans zu verzichten. „Das Handeln einzelner Firmen alleine reicht nicht aus, um diesen Wahnsinn zu beenden. Wir fordern daher Regierungen auf, ein vollständiges Importverbot solcher Killerjeans durchzusetzen“, so Philip Doyle von der Clean Clothes Kampagne Österreich. „Konsumentinnen und Konsumenten sollten ebenfalls auf diesen Modetrend verzichten und keine sandgestrahlten Jeans mehr kaufen“ fordert Doyle.


Quelle & weitere Infos:
Clean Clothes Kampagne Österreich
Letzte Änderung amMontag, 29 November 2010 17:06

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