Gentechnik: Gift im Blut von Babys nachgewiesen

Eine neue Studie stellt die Unschädlichkeit von Insektizid-Mais in Frage. Agrochemie wiegelt ab, obwohl Forscher das Gift bei Kindern im Mutterleib nachweisen konnten. von Denise Battaglia

«Diese Studie», sagt Yves Zenger von Greenpeace, «bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen.» Sie beweise, dass die Agrochemiekonzerne das Risiko des Konsums von gentechnisch veränderten Lebensmitteln herunterspiele «und die Konsumenten als Versuchskaninchen missbrauchen».

Die Studie, von der Yves Zenger spricht, rückt die jahrelangen Beteuerungen der Gentech-Industrie tatsächlich in ein schiefes Licht: Seit rund zehn Jahren versichern die Konzerne, dass das durch Gentransfer eingebaute Schädlingsgift im Bt-Mais nicht in den menschlichen Organismus gelangen könne und deshalb für die Gesundheit ungefährlich sei.

 

In zahlreichen Ländern verliessen sich die Lebensmittelsicherheitsbehörden auf diese – meist von der Industrie selbst in Auftrag gegebenen – Sicherheitsstudien und liessen den Anbau von Bt-Mais grossflächig zu.

Gift im Blut von Schwangeren

Eine von den Gentech-Konzernen unabhängige kanadische Studie belegt nun das Gegenteil: Forscher an der Universität Sherbrook in Quebec haben das Bt-Toxin im Blut von Frauen und Neugeborenen nachgewiesen.

Die Forscher hatten 39 gesunden nicht schwangeren Frauen und 30 hochschwangeren Frauen Blut entnommen. Direkt nach der Geburt wurde auch Blut aus der Nabelschnur genommen, über die das heranwachsende Kind im Mutterleib versorgt worden war. Bei 63 Prozent der Nichtschwangeren und bei 93 Prozent der Schwangeren konnten die Forscher das Gift nachweisen. Auch 8 von 10 Babys hatten es im Blut.

Das bedeutet: Das Bt-Gift gelangt über die Nahrungskette (die Forscher vermuten über den Konsum von Fleisch, Eiern oder Milchprodukten von Tieren, die mit Gentechgetreide gefüttert worden waren) in den menschlichen Verdauungstrakt, von dort in den Blutkreislauf, passiert sogar die Plazenta und gelangt via Nabelschnur in die Blutbahn des Babys im Mutterleib.

Ob und falls ja, wie gefährlich das Bt-Toxin für die Gesundheit ist, ist bislang nicht bekannt, weil es keine ausreichenden Studien gibt, die von der Industrie unabhängig sind.

Die kanadischen Forscher raten deshalb dringend zu weiteren Untersuchungen – schliesslich wird der Bt-Mais in Nord- und Südamerika sowie in Afrika auf Millionen Hektaren Land angebaut. Auch in der EU gibt es Felder mit Bt-Mais.

Bt-Mais: «Ein lebendes Insektizid»

Im Bt-Mais ist ein Gen des Bodenbakteriums Bazillus thuringiensis (Bt) eingebaut, das ein Gift gegen den Maiszünsler produziert. Wenn der Maiszünsler den Mais befällt, frisst er das eingebaute Insektizid gleich mit und stirbt.

«Das fremde Gen verwandelt den Mais in ein lebendes Insektizid», erklärt die Baselbieter Biolo-gin und Gentechkritikerin Florianne Koechlin. Doch nicht nur der Maiszünsler, für den das Protein mittels Gentransfer eingebaut wurde, auch Rinder, Schweine oder Hühner, denen der Mais verfüttert wird, fressen das Gift.

Bisher versicherten die Hersteller von genmanipuliertem Saatgut stets, das Bt-Toxin werde im Verdauungstrakt der Tiere zersetzt. Dies konnte eine Münchner Studie jedoch bereits widerlegen: Die Forscher fanden das Toxin im Mist der Kühe.

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Letzte Änderung amSamstag, 18 Juni 2011 15:34

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