AMERIKA: Es wird ein Land ohne Bauern

Verlassene Farm/Washington. Foto: Independent Science News/Homini Verlassene Farm/Washington. Foto: Independent Science News/Homini

In Amerika teilen sich weniger als 3 Prozent der Landwirte mehr als 63 Prozent des Geldes, einschließlich der staatlichen Subventionen.

Deutscher zusammenfassender Kommentar des Artikels von Evaggelos Vallianatos: America: Becoming a Land Without Farmers – von Josef Hoppichler, Bundesanstalt für Bergbauernfragen

„Das plutokratische „Remake“ von Amerika – und somit die Herrschaft der Reichen hat eine Parallele am Lande. In den ländlichen Gebieten der USA verdienen weniger als 3 Prozent der Farmer mehr als 63 Prozent des Geldes, einschließlich der staatlichen Subventionen. Die Ergebnisse dieses neuen ökonomischen Feudalismus sieht man überall. Große Gebiete der USA werden geprägt von verarmten landwirtschaftlichen Dörfern und Städten, die wiederum umgeben sind von aufgegeben Farmen und zum Teil oft verwüstetem ehemaligen Farmland. Mehr und mehr wurden das Bauernland und große Teile des Landes übergeführt in Industriefarmen und Plantagenwirtschaft...„- so beginnt Evaggelos Vallianatos seinen Aufsatz über das Verschwinden der Familienbetriebe und familienbetrieblichen Farmen in den USA.

Er liefert uns eine beindruckende historische Kurzfassung der für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe vielfach verheerenden Agrarpolitik seit dem zweiten Weltkrieg. Gewürdigt wird auch der kurzfristige Versuch der Administration unter Jimmy Carter (1975-1980), dem systematischen Farm- oder Bauernsterben etwas entgegen zu stellen. Insbesondere der damalige Landwirtschaftsminister Bob Bergland war sehr bemüht, die keinen Familienbetriebe zu unterstützen und sie wieder zum „Backbone“ der Amerikanischen ländlichen Wirtschaft zu machen. Wie wir wissen, fiel alles der Administration des „Schauspielers“ Ronald Reagan zum Opfer. Evaggelos Vallianatos berichtet uns auch über die systematische Demotivation – man kann auch sagen Vertreibung der kleinen Schwarzen Farmer im 20sten Jahrhundert. Um 1920 gab es fast eine Million Schwarzer Farmer hauptsächlich in den Südstaaten und um 2000 schätzte man sie noch auf 18.000 Betriebe.

In den letzten drei Jahrzehnten gab es nur mehr eine Losung: „Get big or get out“. Die Superfarmer mit mehr als $ 500.000.- Dollar holen sich 62 % aller Einnahmen. Dafür sind 35 % der Farmer vollkommen verarmt. Sie machen weniger als $ 2.500.- und haben deshalb nur einen Anteil an den Agrareinnahmen von ca. 1 %.

Und zum Schluss spürt Evaggelos Vallianatos der Frage nach, ob das „Farming“ der USA ähnlich wie die gigantische Industrielandwirtschaft Brasiliens und Argentiniens passieren wird. „Wenn die US nichts unternimmt, um das unterdrückerische System der Giganten-Landwirtschaft zu beseitigen, werden auch die verbleibenden „Weißen“ Familienfarmen, die im 20sten Jahrhundert bereits um mehr als 60 % geschrumpft sind – genauso verschwinden wie ihre „Schwarzen“ Brüder und Schwestern, die vorangingen. Das ländliche Amerika gleicht zunehmend dem „gewöhnlichen“ Horror einer Massentierfabrik oder einer einzigen Plantagenwirtschaft“…..Die internationale Organisation für Bauern, Familienbetriebe und Zivilgesellschaft „Via Campesina“ hat es ebenfalls bereits gesagt, dass diese monströse Giganten-Landwirtschaft die Familienbetriebe und Bauern auf der ganzen Welt an den Rand einer „unwiederbringlichen Auslöschung“ bringt. Und das Ende des Artikels ist philosophisch… aber das sollte der Leser selbst herausfinden. Zum gesamten Artikel

 

Vom Verschwinden der Bauern und vom Kommen der Agrarunternehmer (Josef Hoppichler, Bundesanstalt für Bergbauernfragen)

Zum Schluss nimmt Evaggelos Vallianatos auch Bezug auf einen Artikel von Josef Hoppichler, Bundesanstalt für Bergbauernfragen: "Vom Verschwinden der Bauern und vom Kommen der Agrarunternehmer" (pdf)


Quelle:
Independent Science News


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Letzte Änderung amFreitag, 14 September 2012 10:00

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