Bahn schlägt Flugzeug

Hochgeschwindigkeitszüge sind kein Patentrezept für alle Lebenslagen, aber ein vielversprechender, in der Praxis erprobter Beitrag zum Klimaschutz.
Wien (OTS/4.10.2007) - Bei der Verlagerung von Verkehr auf die Schiene denkt jeder spontan an LKW-Verkehr allenfalls noch Personenverkehr in den Städten, aber kaum an die Verlagerung vom Flugzeug auf die Bahn.

Weltkongress ÖVG-Fahrwegtagung in Salzburg


Aber auch mit diesem Thema befassten sich über 600 hochkarätige Wissenschafter und Praktiker von allen Kontinenten der Erde (aus knapp 40 Ländern) bei der 16. Internationa-len Tagung des Arbeitskreises Eisenbahntechnik (Fahrweg) der Österreichischen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (ÖVG) vom 25-27. September 2007 in Salzburg. Diese Tagung der ÖVG nimmt in der internationalen Fachwelt seit nahezu zwei Jahrzehnten einen festen Platz ein.

Zur Frage Beitrag zum Klimaschutz durch die Verkehrsverlagerung von der Luftfahrt auf die Schiene brachte der Vortrag von Herrn Ignacio Barrón de Angoiti, Senior Advisor der Direktion Hochgeschwindigkeitsverkehr/Internationaler Eisenbahnverband (UIC) über "Gemeinsame Nutzung von Erfahrungen im Schnellverkehr" einen eindrucksvoll untermauerten Beleg.

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4x weniger CO2-Ausstoß als beim Flugverkehr
Modalsplit (=Verkehrsmittelaufteilung) zugunsten der Bahn gedreht

Auf der 471 km langen Strecke Madrid-Sevilla war das Verhältnis Flugzeug zu Bahn vor Inbetriebnahme des Hochgeschwindigkeitszuges 67% zu 33%. Nach Inbetriebnahme der Hochgeschwindigkeitsstrecke veränderte sich das Bild radikal. Der Anteil der Bahn stieg auf 84% und jener des Flugzeugs ging auf 16% zurück. Kein Wunder bei einer Fahrzeit von 2 ¼ Stunden Fahrzeit ohne die nervenaufreibenden Checks und Wartezeiten auf den Flughäfen.

Die umfassende Darstellung von Herrn Barrón zur Entwicklung von Hochgeschwindigkeitsstrecken weltweit brachte ein deutliches Ergebnis. Die Hochgeschwindigkeitsbahn (d.h. mit einer Geschwindigkeit von mehr als 250 km/h) bringt die höchste Effizienz für Businessreisende bei einer Fahrzeit von unter 3 Stunden. Um einen Hochgeschwindigkeitszug sinnvoll betreiben zu können, sind für die Strecke mindestens 5 Mio. Fahrgäste pro Jahr erforderlich.

Hochgeschwindigkeitsstrecken auf dem Vormarsch


Weltweit gibt es rund 7000 km Hochgeschwindigkeitsstrecken, auf denen insgesamt rund 1200 Zugsgarnituren verkehren. Eine Vielzahl von Projekten lässt starke Zuwachsraten erwarten.

Nicht überall war die Veränderung des Verhältnisses Bahn zu Flugzeug so eindruckvoll wie auf der Strecke Madrid - Sevilla. Aber die Erfahrungen in Japan, Korea, U.S.A. oder Frankreich, Spanien und Deutschland waren durchwegs positiv. Die Fahrzeiten im Personenverkehr verkürzten sich ca. auf die Hälfte. Der Modalsplit (alle Verkehrsträger betrachtend) veränderte sich z.B. auf der 310 km langen Strecke Paris-Brüssel sehr stark zugunsten der Bahn (von 24% auf 50%).

Umweltbilanz spricht eindeutig für die Bahn


Die Flächenbilanz der Hochgeschwindigkeitsstrecken im Vergleich zu den Autobahnen spricht eindeutig für die Bahn. Eine 2x3 spurige Autobahn ist 75m breit, eine doppelgleisige HG-Bahn dagegen nur 25m. Bei einer Verkehrsdichte mit 4.500 Autos/Std. und 1,7 Personen/Auto gerechnet, ist eine Kapazität von 7.650 Personen die Stunde zu erreichen. Bei der Bahn liegt dieser Wert mit 12 Zügen/Stunde und 666 Personen/Zug bei 8.000 Personen die Stunde. All das bedeutet letztendlich viel weniger Energieverbrauch und CO2-Ausstoß - im Vergleich zum Flugverkehr sogar fast viermal weniger.

Schwachstelle Finanzierung


Hochgeschwindigkeitsbahnen haben einen hohen Investitionsbedarf. Die Neubaukosten von einer 1 km langen Strecke liegen bei 12 Millionen Euro. Die Instandhaltung derselben Strecke bei 70.000 Euro/Jahr. Ein Hochgeschwindigkeits-Zug mit 350 Sitzplätzen kostet 20 Millionen Euro, die Wartung desselben 1 Mio. Euro/Jahr. Diese Zahlen machen verständlich, warum eine Finanzierung durch die öffentliche Hand oder zumindest ein hoher staatlicher Finanzierungsanteil nötig ist.

Bei den chronischen Finanzierungsnöten öffentlicher Haushalte sind selbst PPP-Modelle aber nicht leicht darzustellen. Angesichts des hohen Wertes für Klimaschutz und Allgemeinheit sollten alle Anstrengungen in Richtung Bahn als hocheffizientem Verkehrsträger für Businessreisende unternommen werden.

Hochgeschwindigkeitszüge - Verkehrsmittel der Zukunft


Die Bahn ist auf dem besten Wege, zum höchst effizienten, wirtschaftlichsten und umweltfreundlichsten Verkehrsträger zu avancieren. Der Schnellverkehr mit Hochgeschwindigkeitszügen ist fester Bestandteil des raschen Entwicklungsprozesses der Bahn. Hochgeschwindigkeitszüge können nicht nur zur wirtschaftlichen Entwicklung verschiedener Regionen beitragen, sie sind sogar in der Lage, Zersiedlungserscheinungen entgegenzuwirken.

Für die Bahnkunden ist jedoch nicht nur Geschwindigkeit ausschlaggebend: Zuverlässigkeit, Preis, Sicherheit, Gesamtfahrzeit oder Zugfrequenz sind weitere Schlüsselfaktoren im Wettbewerb um den Kunden.

Rückfragehinweis:


   Ö V G
   Österreichische Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft
   A-1090 Wien, Kolingasse 13/2/2/7
   Tel.: +43 (1) 587 97 27
   Fax:  +43 (1) 585 36 15
   mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
   Web:     www.oevg.at

Quelle: WWW.OTS.AT

Letzte Änderung amMontag, 08 Oktober 2007 14:44

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