Österreichs größtes Klimaproblem ist der Verkehr

VCÖ: Klimaschutz hat positive Nebenwirkungen auf Arbeitsmarkt und Wirtschaft. 

Wien (pte/03.03.2008/13:18) - Österreichs größtes Klimaschutzproblem ist der Verkehr. Zu diesem Schluss kommt die heute, Montag, vom Verkehrsclub Österreich VCÖ http://www.vcoe.at präsentierte Studie "Klimaschutz Verkehr". In der Studie, an der unter anderem die Klimaexpertin Helga Kromp-Kolb von der Wiener Universität für Bodenkultur http://www.boku.ac.at mitgearbeitet hat, wird deutlich, dass die Emissionen des Verkehrs aber bereits bis zum Jahr 2010 um 30 Prozent verringert werden können. 2006 hat der Verkehr allein in der Alpenrepublik 23,25 Mio. Tonnen Treibhausgase emittiert. Das sind um 83 Prozent mehr als noch 1990.

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H.Kromp-Kolb u. M.Blum präsentieren die neue VCÖ-Studie (Foto: Fotodienst.at)
"Es ist in der Zwischenzeit eine wissenschaftlich erhärtete Tatsache, dass es einen Klimawandel gibt", so Kromp-Kolb. Der Verkehr spiele dabei eine zentrale Rolle. Weltweit hatte der Verkehr 2004 einen Anteil von 13,1 Prozent an den Treibhausgasen. "Der Transportsektor ist stärker als jeder andere Sektor von fossilen Rohstoffen abhängig", betont die Forscherin. Eine Welt mit einer um zwei Grad Celsius höheren Temperatur sei eine komplett andere Welt, betont Kromp-Kolb. Sehr viel Spielraum gebe es daher nicht mehr. "Bis 2020 müssen wir die Treibhausgasemissionen um 15 bis 30 Prozent reduzieren. Um das zu schaffen, müssen wir alle Register ziehen. An erster Stelle muss der Energiebedarf gesenkt und die Energieeffizienz gesteigert werden." Im Weiteren sei zusätzlich noch auf erneuerbare Energiesysteme umzusteigen. Atomenergie und Kohlekraftwerke sind für die Expertin kein probates Mittel.

"Die Bedarfssenkung setzt bereits bei der Raumplanung an", betont Kromp-Kolb. Wenn Verkehrswege kurz gehalten werden und mit dem Fahrrad oder zu Fuß bewältigt werden können, wäre das ideal. "Technologische Verbesserungen im Verkehrsbereich und alternativen Kraftstoffen wird sowohl im IPCC-Bericht als auch in den EU-Dokumenten vergleichsweise viel Raum gewidmet, während beispielsweise der Rolle der Raumplanung nicht die ihrer Wirksamkeit entsprechende Bedeutung geschenkt wird", meint Kromp-Kolb. "Tatsächlich sind 60 Prozent der Wege, die heute in Österreich zurückgelegt werden, kürzer als vier Kilometer. Allerdings werden 37 Prozent mit dem Auto zurückgelegt", meint VCÖ-Verkehrsexperte und Studienautor Martin Blum. 375.000 Tonnen CO2 können vermieden werden, wenn jede zweite kurze Autofahrt mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werde. "In Österreich fehlen Anreize zu einem klimafreundlicheren Mobilitätsverhalten", kritisiert Blum.

"Österreichs Bevölkerung legt pro Jahr rund 83 Mrd. Kilometer mit dem Auto zurück. Das sind 70 Prozent der gesamten Personenverkehrsleistung", betont Blum. Ansetzen könne man etwa bei der Verringerung der Fahrten, denn nur zwei Kilometer Autofahrten pro Person und Tag weniger reduziere die Treibhausgas-Emissionen um rund 750.000 Tonnen jährlich. Effektive Mittel wären zudem Tempolimits und eine Maut der tatsächlich zurückgelegten Kilometer auf Autobahnen. Auch im Gütertransport fordert der VCÖ eine flächendeckende Lkw-Maut sowie die Anhebung der Mineralölsteuer von Diesel auf das Niveau von Benzin. "Wesentlich für den Klimaschutz sind auch emissionsärmere Fahrzeuge. Die in der EU geplanten CO2-Grenzwerte sind viel zu hoch, da viele Mittelklasse-Autos bereits heute klimafreundlicher sind, als die EU als Norm für das Jahr 2012 vorschreiben möchte", so Blum.

Im Bereich Flugverkehr plädiert Blum im pressetext-Gespräch dringend für die Kerosin-Besteuerung für EU-Binnenflüge. Das sei der erste notwendige Schritt. Trotz der Tatsache, dass nur sieben Prozent der Weltbevölkerung in ihrem Leben einmal geflogen sind, wurden weltweit 2006 bereits 4.238 Mrd. Flugkilometer zurückgelegt. "Auch in Österreich hat der Flugverkehr im Jahr 2006 mit 311.476 Starts einen neuen Rekordwert erreicht", zitiert Blum aus der Studie. Allein in Österreich wurden 2007 rund 725.000 Tonnen Kerosin getankt. Der Verzicht der Steuer in der gleichen Höhe wie jener von Heizöl leicht, bedeutet einen Ausfall von Steuereinnahmen in der Höhe von 56,8 Mio. Euro.

Quelle: Pressetext Austria

 

Letzte Änderung amMontag, 03 März 2008 18:20

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