Bedrohtes Augebiet March-Thaya hofft auf Schutzstatus

WWF: "Artenvielfalt der Au ist mit Regenwald vergleichbar".

Wien (pte/20.01.2009/13:15) - Die Tier- und Pflanzenvielfalt der Auregion um die Flüsse March und Thaya an der Grenze zwischen Österreich, Tschechien und der Slowakei ist durch Industrie und Landwirtschaft bedroht. Das betonte Hildegard Aichberger, WWF-Geschäftsführerin am Dienstag, 20.1.2009, bei einer Pressekonferenz in Wien. "Durch den eisernen Vorhang, der direkt durch das Augebiet verlief und Österreich von der damaligen Tschechoslowakei trennte, konnte diese Landschaft über Jahrzehnte unberührt bleiben", so Aichberger. Acht Zehntel der Aulandschaften Europas seien bisher der Verbauung und Besiedelung zum Opfer gefallen. Für die Region March-Thaya fordert der WWF aufgrund ihres wirtschaftlichen Aufschwungs besonderen Naturschutz, damit ihr nicht dasselbe Schicksal droht.

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Eine der unberührtesten Auregionen Mitteleuropas ist in Gefahr (F:distelverein.at)
Eine urtümlich belassene Aulandschaft mit Überschwemmungsflächen und zahlreichen Flusswindungen prägt das Bild der March-Thaya-Auen, der fließenden Grenze zwischen Weinviertel, Südmähren und Westslowakei. Auf über 80 Kilometer Länge stellt die Region einen 33.000 Hektar großen Feuchtlebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten dar. Über 300 Vogelarten brüten hier oder nutzen die Landschaft als Rastplatz auf der Wanderung, darunter Seeadler, Wachtelkönig und Kormorane. Kolonien des Weißstorchs bescheren besonders dem Grenzort Hardegg eine besondere Besucherattraktion. "Die Artenvielfalt dieser Aulandschaft ist mit dem des Regenwaldes vergleichbar", so die WWF-Geschäftsführerin.

Als Bedrohung für die Region sieht Aichberger besonders die Veränderungen, die ihr derzeitiger wirtschaftlicher Aufschwung mit sich bringt. Die unkontrollierte Bebauung und Zerstückelung durch Verkehrswege, die Einleitung von Industrieabwässern und intensivere Land- und Forstwirtschaft würde die Landschaft in wenigen Jahren so zersiedeln und verschmutzen, dass dies für Pflanzen und Tiere eine Zurückdrängung und Wertminderung des Lebensraumes bedeute. Die Region bekomme auch die Folgen des Klimawandels stark zu spüren, so Aichberger auf pressetext-Anfrage. "Vermehrter Starkregen steigert die Hochwassergefahr in den Auen. Außerdem bildet die Region im Zuge der klimabedingten Artenwanderung einen wichtigen Rückzugsraum für Tiere." Bauvorhaben wie etwa Autobahnen würden diese Korridor-Funktion empfindlich unterbrechen, betont die Naturschützerin.

Bis nächstes Jahr will der WWF einen dauerhaften Schutzstatus der March-Thaya-Auen politisch durchsetzen. "Das kann in Form eines Biosphärenreservoirs oder eines Naturparks geschehen", so Aichberger. Wichtige Vorbedingung dafür sei mehr Bewusstsein in der Bevölkerung. "Wir schützen nur, was wir auch kennen und lieben. Doch obwohl die Auen weniger als eine Autostunde von den Ballungszentren Wien und Bratislava entfernt liegen, sind sie erst wenigen bekannt." Sanfter Naturtourismus solle daher gefördert werden. Neben politischer Lobbyarbeit für einen besseren Schutzstatus sei außerdem finanzielle Unterstützung für Einzelprojekte nötig, ein diesbezüglicher EU-Antrag ist in Ausarbeitung. Ein wirtschaftlicher Partner des WWF ist die Elektronikfirma Samsung, die im Sinne der Green Electonics-Philosophie 30 Euro von jedem verkauften neuen Fernsehgerät dem Naturschutz in den March-Thaya-Auen zur Verfügung stellt.

Quelle: Pressetext Austria

 

Letzte Änderung amDonnerstag, 22 Januar 2009 11:35

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