Indiens größtes Drogenproblem: Medikamente in Abwässern

Antibiotikaresistenzen als Auswirkungen der Umweltverschmutzung - nicht nur mehr ein Problem in Indien, sondern weltweit.

London/Göteborg (pte/06.02.2009/06:05) - Noch nie zuvor haben Wissenschaftler derart hohe Konzentrationen von Medikamenten in der Umwelt gefunden wie in einem Fluss nahe der Stadt Hyderabad. In einer nun veröffentlichten Studie haben schwedische Forscher um Joakim Larsson vom Sahlgrenska Academy der Universität Göteborg http://www.sahlgrenska.gu.se über die Gefahren der chemischen Keulen im Fachmagazin "Environmental Toxicology and Chemistry" und "Regulatory Toxicology and Pharmacology" berichtet.

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Große Mengen von Breitband-Antibiotika im Gewässer
"Der Großteil der Abwässer war in einer Großkläranlage zuvor gereinigt worden, dennoch fanden wir große Mengen von Breitband-Antibiotika und anderen chemisch-pharmazeutischen Substanzen", so Larsson gegenüber pressetext. Offensichtlich sind diese Kläranlagen nicht in der Lage, die chemischen Bestandteile wirksam aus dem Abwasser zu lösen. "Wir schätzen, dass in der Anlage täglich etwa 45 Kilogramm des Antibiotikums Ciprofloxacin - das entspricht etwa der fünffachen Menge, die täglich in Schweden konsumiert wird, deponiert wurden." Was Larsson im pressetext-Gespräch kritisiert, sind die bislang weltweit fehlenden Grenzwerte von chemisch-pharmazeutischen Substanzen in Abwässern. Das sei weltweit ein ungelöstes Problem. "Wir haben keine Ahnung zu welchen Problemen dies führen kann. Das größte Risiko ist aber eine steigende Resistenz von Bakterien gegen die Antibiotika." Dies sei dann jedoch nicht nur mehr ein Problem in Indien, sondern weltweit.

In zahlreichen Untersuchungen an Fischen konnten die schwedischen Forscher zeigen, dass die Substanzen zu Veränderungen in den Entwicklungsstadien führten. Selbst in der stärksten Verdünnung - 1.500 Kubikmeter Wasser in 750.000 Kubikmeter Flusswasser zeigten 40 Prozent der Kaulquappen Wachstumsstörungen. Bei Konzentrationen von acht bis 16 Prozent verloren Zebrafisch-Embryos zwei Tage nach der Befruchtung ihre Farbe und ihre Beweglichkeit. Zudem wiesen die Fische andere Entwicklungsstörungen auf.

In Hyderabad ist ein Zentrum für die Herstellung von chemisch-pharmazeutischen Substanzen. Mehr als 100 solcher Unternehmen sind dort angesiedelt. Rund 90 von ihnen senden ihre Abfallstoffe an die Kläranlage von Patancheru Enviro Tech Ltd (PETL). Von Larsson und seinem Team durchgeführte Untersuchungen nach der Klärung ergaben Werte von 31.000 Mikrogramm Ciprofloxacin pro Liter und 1.400 Mikrogramm des Antihistamins Cetirizine.

Was die schwedischen Forscher kritisieren, ist die Tatsache, dass einige der Substanzen, die in Hyderabad hergestellt werden, auch in Schweden verkauft werden. "Wo einzelne Bestandteile eines Medikaments produziert werden, entzieht sich der öffentlichen Information." Recherchen hätten jedoch gezeigt, dass viele der Bestandteile direkt aus Indien kommen. Damit trage man auch in Europa die Verantwortung für das, was in Indien geschehe, meint der Forscher, der vorschlägt, dass die Produktionskette eines Medikaments transparenter gestaltet werden müsse, um so sicherzustellen, das Umweltstandards eingehalten werden. "Für den einzelnen Konsumenten ist es unmöglich festzustellen, ob ein Bestandteil seiner Arzneimittel eine Umweltkatastrophe in einem anderen Teil der Welt auslöst", erklärt der Wissenschaftler abschließend.

Quelle: Pressetext Austria

 

Letzte Änderung amFreitag, 06 Februar 2009 11:01

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